Immanuel KantLeben · Werk · Wirkung
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Ein Leben in Königsberg

Immanuel Kant hat das Denken Europas umgewälzt, ohne je weit zu reisen: Sein ganzes Leben spielt sich in einer einzigen Stadt ab — Königsberg in Preußen.

Herkunft und Kindheit

Ein Handwerkerhaus, eine fromme Mutter und eine strenge Schule prägen die ersten Jahre.

Am 22. April 1724 kommt Kant in Königsberg zur Welt — im Taufregister steht noch „Emanuel“ (sein Geburtstag war im preußischen Kalender der Namenstag des heiligen Emanuel); die Schreibweise „Immanuel“ führte er später ein. Der Vater, Johann Georg Kant (1683–1746), war Sattlermeister und stammte aus Memel; die Mutter, Anna Regina Reuter (1697–1737), war Königsbergerin. Immanuel war das vierte von neun Kindern, und wie damals üblich blieb der Tod ein ständiger Gast: Nur ein Teil der Geschwister erreichte das Erwachsenenalter.

Das Elternhaus war stark pietistisch geprägt — Frömmigkeit, Pflicht und einfache Lebensführung gehörten zum Alltag. Zugleich war die Mutter für Bildung ungewöhnlich aufgeschlossen. 1732, mit acht Jahren, kam der Junge auf das Collegium Fridericianum, die pietistische Vorzeigeschule der Stadt, wo er vor allem in den klassischen Sprachen gefördert wurde.

Historische Stadtansicht von Königsberg aus der Vogelperspektive, Kupferstich
Königsberg um 1652 (Stich nach Merian): Die Handels- und Universitätsstadt am Pregel war Kants Lebenswelt — von der Geburt 1724 bis zum Tod 1804.Bild: Merian-Erben · Public domain · Wikimedia Commons
DenkzettelKönigsberg, 1763
Plan der Stadt Königsberg, 1763 (Ausschnitt Stadtkern)
Bild: o. A. · CC0 · Wikimedia Commons

Fundstelle: Plan der Stadt Königsberg, 1763 · Quelle

Kant verbrachte nahezu sein ganzes Leben in Königsberg. Als dieser Plan entstand, war er knapp vierzig und noch nicht Professor.

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Quelle: Wikipedia: Immanuel Kant (Herkunft, Kindheit und Ausbildung)

Der lange Weg zur Professur

Zwischen Studium und Lehrstuhl liegen dreißig Jahre — Hauslehrerstellen, Gelegenheitsjobs und viel Geduld.

Porträtgemälde Immanuel Kants
Immanuel Kant im Porträt. Erst mit 46 Jahren erhielt er die lange angestrebte Professur für Logik und Metaphysik.Bild: unbekannt, möglicherweise Elisabeth von Stägemann (Schule von Anton Graff) · Public domain · Wikimedia Commons

1740, mit sechzehn Jahren, schreibt sich Kant an der Albertina, der Universität seiner Heimatstadt, ein. Bei Johann Gottfried Teske und vor allem bei Martin Knutzen hört er Philosophie, Naturwissenschaften und Mathematik — und lernt neben der Schulphilosophie von Leibniz und Wolff auch die Physik Newtons kennen. Ob er anfangs für Theologie eingeschrieben war, lässt sich aus den Universitätsunterlagen nicht mehr rekonstruieren.

Dann bremst das Leben die Karriere: Der Vater erkrankt 1744 schwer und stirbt 1746. Kant muss nun für sich und zwei jüngere Geschwister sorgen — und verdingt sich rund sechs Jahre lang (ca. 1748–1754) als Hauslehrer: beim Prediger Andersch in Judtschen bei Gumbinnen, auf dem Gut des Majors von Hülsen bei Mohrungen und schließlich auf Schloss Waldburg-Capustigall bei der Familie Keyserlingk, mit deren Gräfin Caroline ihn zeitlebens gegenseitige Verehrung verband.

  1. 1
    1740 — Student an der Albertina

    Mit 16 Jahren beginnt Kant sein Studium in Königsberg; Martin Knutzen öffnet ihm die Tür zu Newton.

  2. 2
    um 1748–1754 — Hauslehrerjahre

    Nach dem Tod des Vaters unterrichtet Kant auf Landgütern rund um Königsberg — und forscht nebenher weiter.

  3. 3
    1755 — Promotion und venia legendi

    Ein Dreifachschlag: Promotion mit „De Igne“, die „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels“ und die Verteidigung der „Nova dilucidatio“, die ihm die Lehrerlaubnis einbringt.

  4. 4
    1766 — Unterbibliothekar

    Die Stelle an der königlichen Schlossbibliothek ist Kants erste feste Anstellung überhaupt — mit 42 Jahren.

  5. 5
    1770 — Professor für Logik und Metaphysik

    Mit 46 erhält Kant endlich den erhofften Königsberger Lehrstuhl; seine Antrittsschrift handelt von den Formen und Gründen der Sinnes- und Verstandeswelt.

Als Privatdozent liest Kant ab 1755 in erstaunlicher Breite: Logik, Metaphysik, Moralphilosophie, Mathematik, Physik, Geografie, Anthropologie und mehr — seine Vorlesungen finden starkes Interesse. Der Aufstieg aber zieht sich: 1756 und 1758 scheitern Bewerbungen um Königsberger Lehrstühle (1758 um die Stelle für Logik und Metaphysik), 1764 lehnt er einen Ruf auf die Professur für Dichtkunst ab. Auch später bleibt er wählerisch — Erlangen (1769), Jena (1770) und sogar das berühmte Halle (1778, trotz der besonderen Bitte des Ministers von Zedlitz und deutlich höherer Vergütung) lässt er ausschlagen, um in Königsberg zu bleiben.

Ich habe das Glück genossen, einen Philosophen zu kennen, der mein Lehrer war. […] Er munterte auf und zwang angenehm zum Selbstdenken; Despotismus war seinem Gemüt fremde.

Johann Gottfried Herder über seinen Lehrer Kant

Quelle: Wikipedia: Immanuel Kant (Studium, Hauslehrerjahre, Privatdozent, Professur)

Der berühmte Tagesablauf

Kein Denker ist so sehr mit seinem Stundenplan verwachsen wie Kant — doch die Legende ist nur die halbe Wahrheit.

Die klassische Überlieferung kennt jeder: Morgens um 4:45 Uhr lässt sich Kant von seinem Hausdiener — dem ausgemusterten Soldaten Martin Lampe — mit den Worten „Es ist Zeit!“ wecken, um 22 Uhr geht er zu Bett. Täglich zur selben Stunde macht er seinen Spaziergang. Zum Mittagessen lädt er meist Freunde ein und pflegt die Geselligkeit — philosophische Themen sind bei Tisch allerdings tabu.

DenkzettelGrazien und Musen

… nicht unter der Zahl der Grazien und auch nicht über die der Musen …

Fundstelle: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht (1798), § 88, AA VII 278 · Im Original nachlesen

So groß soll eine gute Tischgesellschaft sein: mindestens drei wie die drei Grazien, höchstens neun wie die neun Musen. Den Gastgeber, der die Gäste bedient, zählt Kant in einer Fußnote nicht mit. Die Regel übernimmt er ausdrücklich von Lord Chesterfield.

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Quellen: Wikipedia: Kantiana (Kants Tagesablauf, Tischgesellschaft, Spaziergang) · Wikipedia: Immanuel Kant

Gemälde: Immanuel Kant im Gespräch mit seinen Tischgenossen an einer gedeckten Tafel
Kant und seine Tischgenossen (Gemälde von Emil Doerstling): Die Mittagstafel mit Freunden gehörte fest zu Kants Tag — philosophiert wurde dabei ausdrücklich nicht.Bild: Emil Doerstling · Public domain · Wikimedia Commons

Der junge Kant war ohnehin alles andere als ein Stubengelehrter: Als Student galt er als guter Kartenspieler und verdiente sich mit Billard ein Zubrot, auf Gesellschaften trat er galant und modisch gekleidet auf und erzählte lustige Anekdoten ganz trocken, ohne je selbst dabei zu lachen. Sein Freund Johann Georg Hamann fürchtete zeitweise sogar, Kant komme vor lauter gesellschaftlicher Zerstreuung nicht genug zum Arbeiten.

Quelle: Wikipedia: Immanuel Kant (Tagesablauf, Green, Lampe, Geselligkeit)

Ein Tag in Königsberg

Kant hat seine Heimatstadt kaum je verlassen. Hier läuft sein Tag Stunde für Stunde über den Stadtplan von 1763.

Dreh die Uhr: Zieh den Regler oder den Zeiger, oder tippe auf eine Tageszeit. Auf dem Stadtplan von 1763 leuchtet auf, wo Kant gerade ist.

036912151821
4:45

Wo:

Noch ist die Tafel nicht gedeckt. Um eins meldet Lampe: „Die Suppe ist auf dem Tisch.“

Zur Tischgesellschaft
Plan der Stadt Königsberg von 1763 mit Schloss, Kneiphof-Insel, Dom und Festung Friedrichsburg
„Plan Der Stadt Koenigsberg“, 1763 — Ausschnitt. Die Buchstaben stammen vom Stecher: A Schloss, B Festung Friedrichsburg, c Dom, D Kneiphof; die Ziffern 1–7 markieren die Pregelbrücken.Bild: o. A. · CC0 · Wikimedia Commons

Kants Spazierweg (vereinfacht)

Was das Bild verschweigt

Die Uhr zeigt einen Mustertag des älteren Kant, zusammengesetzt aus Berichten nach seinem Tod. Der junge Kant, der Billard spielte und gern in Gesellschaft ging, kommt darin nicht vor. Die Uhrzeit des Spaziergangs ist strittig, die Lage des Hauses auf dem Plan ist ungefähr, und die Linie des Wegs verbindet nur die überlieferten Stationen, sie folgt keinen Straßen.

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Quellen: Wikipedia: Kantiana (Wohnhaus, Tagesablauf, Tischgesellschaft, Spaziergang) · Wikipedia: Immanuel Kant · Wikipedia: Königsberger Brückenproblem

Kants Tischgesellschaft

Mittags war Kants Haus voller Gäste, und für das Gespräch bei Tisch hatte er Regeln.

Die Mittagstafel war die einzige volle Mahlzeit in Kants Tag, und er nahm sie ernst. Kurz vor eins fanden sich die Gäste im Besuchszimmer oder in der Studierstube ein; mit dem Glockenschlag eins vom Schlossturm meldete Martin Lampe: „Die Suppe ist auf dem Tisch.“ Kant wählte seine Tischfreunde aus verschiedenen Altersstufen, alle jünger als er, und mit manchen hatte er Lieblingsthemen: mit Johann Gottfried Hasse die Herkunft der Wörter, mit Johann Friedrich Schultz die Politik, mit dem Arzt William Motherby die Gesundheit. Der Bürgermeister Theodor Gottlieb von Hippel hatte einen Ehrenplatz.

Wie ein gutes Tischgespräch verläuft, hat Kant in seiner „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“ (1798) aufgeschrieben. Die Zahl der Gäste übernimmt er von Lord Chesterfield: nicht weniger als die drei Grazien, nicht mehr als die neun Musen; für ein Gespräch unter Kennern soll die Runde selbst „nicht viel über die Zahl der Grazien“ zählen. Das Gespräch einer vollen Tafel gehe gewöhnlich durch drei Stufen: Erzählen, Räsonieren und Scherzen. Dazu stellt er Regeln auf: ein Thema, das alle angeht; keine tödliche Stille; nicht ohne Not von einem Thema zum nächsten springen; keine Rechthaberei; und im ernsten Streit so viel Achtung voreinander, dass niemand im Zorn nach Hause geht.

Allein zu essen (solipsismus convictorii) ist für einen philosophierenden Gelehrten ungesund.

Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht (1798), § 88, AA VII 279 f.

Ausgedachte Tischrunde nach Kants Regeln

Kurz vor eins. Die Gäste warten im Besuchszimmer, Kant schaut auf die Uhr: Unpünktlichkeit mag er nicht.

1. Wen lädst du ein?

Tippe Gäste an, um sie an den Tisch zu setzen oder wieder auszuladen. Kant übernimmt eine Regel des Lord Chesterfield für die Zahl der Gäste.

K

0 Gäste

Allein essen?

„Allein zu essen (solipsismus convictorii) ist für einen philosophierenden Gelehrten ungesund.“

Anthropologie § 88, AA VII 279 f.

2. Lenke das Gespräch

Wähle bei jedem Gang, wie es weitergeht. Kant beschreibt in seiner Anthropologie, wie ein gutes Tischgespräch verläuft. Erst die Gäste: Zwischen drei und neun müssen es sein.

  1. 1Die Suppe Erzählen

    Womit beginnt das Gespräch?

  2. 2Der Hauptgang Räsonieren

    Zwei Gäste sehen eine Sache verschieden, der Ton wird scharf, einer will unbedingt recht behalten. Was tust du?

  3. 3Der Nachtisch Scherzen

    Wie soll die Tafel enden?

Weiter zu den Tischgesprächen
Was das Bild verschweigt

Die Runde ist ausgedacht: Wer an welchem Tag bei Kant am Tisch saß, ist nicht überliefert; die Namen stammen aus seinem Umkreis. Die drei Stufen beschreibt Kant in der Anthropologie (1798) für eine „volle Tafel“ allgemein, nicht ausdrücklich für seine eigene. Dort rechnet er auch mit Tafeln, an denen Damen sitzen; das Scherzen am Ende gilt „zum Teil auch dem anwesenden Frauenzimmer“ (AA VII 278 Anm., 280 f.). An Kants eigener Tafel saßen nach dem Biografen Steffen Dietzsch nie Frauen.

Quellen: Kant, Anthropologie § 88, AA VII 278–281 (korpora.org) · Wikipedia: Kantiana (Tischgesellschaft) · Wikipedia: Theodor Gottlieb von Hippel · Wikipedia: Joseph Green · Wikipedia: Johann Gottfried Hasse (Tischgenosse)

Tischgespräche

Kants Freunde und Briefpartner haben ihm widersprochen, und manchmal hat er geantwortet.

Kants Gedanken sind nicht im luftleeren Raum entstanden. Fünf Einwände sind hier versammelt: Hippels Forderung nach gleichen Rechten für Frauen, Garves Vorwurf, Kant sei ein Idealist wie Berkeley, Schillers Kritik an der strengen Pflicht, Maria von Herberts verzweifelte Frage, ob schon das Verschweigen eine Lüge ist, und Hamanns Einwand, dass es keine Vernunft ohne Sprache gibt. Die Runde, in der sie hier zusammensitzen, ist ausgedacht; jeder Einwand und jede Antwort ist belegt.

Bei jedem Einwand gibt es zwei Fragen. Was Kant geantwortet hat, lässt sich an seinen Schriften prüfen; darauf gibt es eine richtige Antwort mit Beleg. Wer dich überzeugt, entscheidest du selbst; darauf gibt es keine.

Ausgedachte Gesprächsrunde: Gesagt wird nur, was belegt ist

Wähle eine Person. Die Gespräche sind ausgedacht: Garve, Schiller und Maria von Herbert saßen nie an Kants Tisch, ihre Einwände kamen als Buch oder Brief. Erst prüfst du, ob du Kants Antwort kennst, dann entscheidest du, wer dich überzeugt. Dafür gibt es kein Richtig oder Falsch.

Theodor Gottlieb von Hippel 1741–1796

Bürgermeister, Ehrengast an Kants Tafel

1792 erscheint anonym sein Buch „Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber“.

Frauen sollen dieselben bürgerlichen Rechte haben wie Männer.

sinngemäß

Was antwortet Kant? Was schreibt Kant fünf Jahre später in seiner Rechtslehre (1797) über das Stimmrecht?

Beleg

„Der Geselle bei einem Kaufmann oder bei einem Handwerker; der Dienstbote …; der Unmündige …; alles Frauenzimmer und überhaupt jedermann, der nicht nach eigenem Betrieb, sondern nach der Verfügung Anderer (außer der des Staats) genötigt ist, seine Existenz (Nahrung und Schutz) zu erhalten, entbehrt der bürgerlichen Persönlichkeit.“

Metaphysik der Sitten, Rechtslehre § 46, AA VI 314

Hippel erlebte das nicht mehr: Er starb 1796.

Mehr dazu

Wikipedia: Theodor Gottlieb von Hippel · Kant, MS § 46, AA VI 314 (korpora.org)

Christian Garve 1742–1798

Philosoph in Breslau, Briefpartner

1782 erscheint in den „Göttingischen gelehrten Anzeigen“ seine Besprechung der Kritik der reinen Vernunft, von Johann Feder gekürzt.

„Dies Werk ist ein System des transzendentellen (oder … des höheren) Idealismus.“ Gemeint ist: Kant lehre wie Berkeley, die Welt sei bloß Vorstellung.

so zitiert Kant die Besprechung, AA IV 373

Was antwortet Kant? Was antwortet Kant 1783 in den Prolegomena?

Beleg

„Alles Erkenntnis von Dingen aus bloßem reinen Verstande oder reiner Vernunft ist nichts als lauter Schein, und nur in der Erfahrung ist Wahrheit.“ Und: „Mein Platz ist das fruchtbare Bathos der Erfahrung.“

Prolegomena, Anhang, AA IV 374 und 373 Anm.

An der Existenz der Dinge zu zweifeln, sei ihm „niemals in den Sinn gekommen“ (AA IV 293).

Wikipedia: Christian Garve · Kant, Prolegomena, AA IV 373 f. (korpora.org) · AA IV 293

Friedrich Schiller 1759–1805

Dichter, Leser und Kritiker Kants

1793 erscheint seine Abhandlung „Über Anmut und Würde“.

Kant mache das Verhältnis von Sinnlichkeit und Gesetz „knechtisch“; Pflicht und Neigung sollen in einer „schönen Seele“ zusammenstimmen.

nach Wikipedia: Über Anmut und Würde

Was antwortet Kant? Wie antwortet Kant 1794 in einer Anmerkung seiner Religionsschrift?

Beleg

„Ich gestehe gern: daß ich dem Pflichtbegriffe gerade um seiner Würde willen keine Anmut beigesellen kann.“ Aber: „das fröhliche Herz in Befolgung seiner Pflicht … ist ein Zeichen der Echtheit tugendhafter Gesinnung“. Die Abhandlung lobt er als „mit Meisterhand verfaßt“.

Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, 2. Aufl. 1794, AA VI 23 f. Anm.

Kant sieht „in den wichtigsten Prinzipien“ keinen Streit mit Schiller.

Wikipedia: Über Anmut und Würde · Kant, Religion, AA VI 23 f. Anm. (korpora.org)

Maria von Herbert 1769–1803

Briefpartnerin aus Klagenfurt

1791 schreibt sie Kant in großer Verzweiflung: Sie hatte ihrem Freund eine frühere Beziehung lange verschwiegen und nennt das selbst eine Lüge. Seit sie es gestand, ist seine Liebe erloschen.

Kants Moral helfe ihr nicht: „metaphisik der Sitten hab ich gelesen samt den Kategorischen inperatif, hilft mir nichts“.

AA XI 273, Schreibweise des Briefs

Was antwortet Kant? Ist es schon eine Lüge, nicht alles zu erzählen? Was antwortet Kant in seinem Briefentwurf (1792)?

Beleg

„Was der Aufrichtige aber Zurückhaltende (nicht Offenherzige) sagt, ist zwar alles wahr, nur er sagt nicht die ganze Wahrheit. Dagegen der Unaufrichtige etwas sagt, dessen er sich als falsch bewußt ist. Die Aussage von der letzteren Art heißt in der Tugendlehre Lüge.“

An Maria von Herbert, Entwurf, Frühjahr 1792, AA XI 332

Auch eine „ganz unschädliche“ Lüge sei „darum doch nicht unschuldig“ (ebd.).

Wikipedia: Maria von Herbert · Brief von Maria von Herbert, AA XI 273 f. (korpora.org) · Kants Entwurf, AA XI 331 f.

Johann Georg Hamann 1730–1788

Freund und Kritiker in Königsberg

1784 schreibt er eine „Metakritik über den Purismum der Vernunft“.

Eine Vernunft vor Sprache und Geschichte gibt es nicht; Kant trenne Sinnlichkeit und Verstand zu streng.

sinngemäß

Was antwortet Kant? Was steht dazu schon in der Einleitung der Kritik der reinen Vernunft?

Beleg

„daß es zwei Stämme der menschlichen Erkenntnis gebe, die vielleicht aus einer gemeinschaftlichen, aber uns unbekannten Wurzel entspringen, nämlich Sinnlichkeit und Verstand, durch deren ersteren uns Gegenstände gegeben, durch den zweiten aber gedacht werden“

Kritik der reinen Vernunft, A 15/B 29, AA III 46

Kant trennt die beiden Stämme, damit man ihre Leistung prüfen kann; erkennen kann man nur mit beiden zusammen (KrV A 51/B 75).

Wikipedia: Johann Georg Hamann (Metakritik) · Kant, KrV A 15/B 29, AA III 46 (korpora.org)

Zwei weitere Stimmen widersprechen an anderer Stelle: Friedrich Schiller mit einem Spottvers beim Krämer und Benjamin Constant beim Mörder an der Tür.

Quellen: Wikipedia: Theodor Gottlieb von Hippel · Wikipedia: Christian Garve · Wikipedia: Über Anmut und Würde · Wikipedia: Maria von Herbert · Wikipedia: Johann Georg Hamann

Die kritischen Jahre

Auf ein Jahrzehnt des Schweigens folgt die produktivste Phase der Philosophiegeschichte.

Nach der Antrittsschrift von 1770 wird es still um den neuen Professor: In den sogenannten „stummen Jahren“ veröffentlicht Kant rund ein Jahrzehnt lang nichts Wesentliches, sondern arbeitet an einer völlig neuen Erkenntnistheorie — dem Kritizismus. 1781, nach elf Jahren intensiver Arbeit, erscheint die „Kritik der reinen Vernunft“.

Dann bricht der Damm: 1783 folgen die „Prolegomena“, 1784 der berühmte Aufklärungs-Aufsatz, 1785 die „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“, 1788 die „Kritik der praktischen Vernunft“ und 1790 die „Kritik der Urteilskraft“. Die Anerkennung bleibt nicht aus: 1786 und 1788 ist Kant Rektor der Königsberger Universität, 1787 wird er in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen, 1794 zum Ehrenmitglied der Russischen Akademie in Sankt Petersburg ernannt.

Gereist ist er dafür nie: Kant verbrachte nahezu sein ganzes Leben im damals weltoffenen Königsberg; für längere Reisen gibt es keine Belege. Die Welt kam eben zu ihm — als Hafen- und Handelsstadt bot Königsberg Nachrichten, Bücher und Gesprächspartner genug.

Quelle: Wikipedia: Immanuel Kant (stumme Jahre, kritische Phase, Ehrungen)

Der Konflikt mit der Zensur

Unter Friedrich Wilhelm II. gerät ausgerechnet der Philosoph der Aufklärung ins Visier der Behörden.

Nach dem Tod Friedrichs des Großen ändert sich das Klima in Preußen: Der neue König Friedrich Wilhelm II. überträgt die Zensur seinem Kultusminister Johann Christoph von Woellner, dessen Zensuredikt vom 19. Dezember 1788 eine neue Phase der Gängelung einleitet. 1792 gerät Kant in Konflikt mit der Zensur: Der Berliner Zensor verweigert den Druck des zweiten Teils seiner Religionsschrift in der Berlinischen Monatsschrift.

Kant lässt das vollständige Werk stattdessen über die Philosophische Fakultät der Universität Jena zulassen; 1793 erscheint „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“. Von 1788 bis zum Tod des Königs 1797 steht Kant im Zeichen dieses sich zuspitzenden Konflikts; gelehrt hat er dennoch weiter, bis 1796. 1798 veröffentlicht er im „Streit der Fakultäten“ das Reskript und seine Antwort darauf.

Quellen: Wikipedia: Immanuel Kant (Zensurkonflikt unter Friedrich Wilhelm II.) · Kant, Der Streit der Fakultäten (1798), Vorrede: Reskript und Antwort, AA VII 6 und 10 (Orthografie modernisiert)

Letzte Jahre und Nachleben

„Es ist gut“ — Kants Ende in der Stadt, die heute Kaliningrad heißt.

Am 12. Februar 1804 stirbt Immanuel Kant, fast achtzigjährig, in seiner Heimatstadt. Seine letzten Worte sollen „Es ist gut“ gewesen sein. Der Mann, der Königsberg nie für längere Zeit verlassen hat, ist da längst eine europäische Berühmtheit — sein Denken hat eine Wirkung entfaltet, die bis heute anhält.

Sein Grab liegt an der Nordostecke des Königsberger Doms: zuerst im Professorengewölbe (später „Stoa Kantiana“ genannt), ab 1880 in einer Grabkapelle, seit 1924 im Mausoleum von Friedrich Lahrs. Später ehrte ihn die Stadt zusätzlich mit einem Denkmal des Bildhauers Christian Daniel Rauch. Königsberg heißt heute Kaliningrad und gehört zu Russland — Kants Grab am Dom aber ist geblieben und zählt zu den bekanntesten Orten der Stadt.

Kants Grabmal mit Säulenhalle an der Außenwand des Königsberger Doms
Kants Grabmal (Mausoleum von Friedrich Lahrs, 1924) am Königsberger Dom im heutigen Kaliningrad: Bestattet wurde Kant 1804 im Professorengewölbe, das später „Stoa Kantiana“ hieß.Bild: Alexander Grebenkov · CC BY 3.0 · Wikimedia Commons
DenkzettelDrei letzte Worte

Es ist gut.

Fundstelle: Überlieferung; laut deutschsprachiger Wikipedia „angeblich“ seine letzten Worte, am Tag vor seinem Tod (11. Februar 1804, so der Artikel Kantiana; Tod am 12. Februar) · Quelle

Kant starb fast achtzigjährig in Königsberg, wo er nahezu sein ganzes Leben verbracht hatte. Ob die drei Worte genau so gefallen sind, ist nicht sicher.

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Quelle: Wikipedia: Immanuel Kant (Tod, Grabmal, Gedenken)

Kant in Zahlen und Fakten

Das Leben im Überblick — alle Stationen auf einen Blick.

Geboren
22. April 1724 in Königsberg (Preußen), als viertes Kind eines Sattlermeisters
Schule
ab 1732 Collegium Fridericianum, Schwerpunkt klassische Sprachen
Studium
ab 1740 an der Albertina in Königsberg, mit sechzehn Jahren
Hauslehrer
ca. 1748–1754 auf Gütern rund um Königsberg
Privatdozent
ab 1755 (Promotion und venia legendi im selben Jahr)
Professur
1770, mit 46 Jahren: Logik und Metaphysik
Hauptwerke
1781 Kritik der reinen Vernunft · 1785 Grundlegung zur Metaphysik der Sitten · 1788 Kritik der praktischen Vernunft · 1790 Kritik der Urteilskraft · 1793 Religionsschrift
Rektor
1786 und 1788 an der Universität Königsberg
Gestorben
12. Februar 1804 in Königsberg — letzte Worte angeblich: „Es ist gut“
DenkzettelDie Notiz über Lampe

Der Name Lampe muss nun völlig vergessen werden.

Fundstelle: Überliefert aus Kants Notizbuch (nach de.wikipedia, Artikel Martin Lampe); nicht in der Akademie-Ausgabe nachgeprüft · Quelle

Martin Lampe diente Kant rund vierzig Jahre. Nach seiner Entlassung 1802 nannte Kant auch den neuen Diener aus Gewohnheit „Lampe“ und vermerkte diesen Satz in einem kleinen Notizbuch.

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Quelle: Wikipedia: Immanuel Kant (Lebensdaten und Werke)

Wie sich diese Stationen mit Werken und Weltgeschehen verzahnen, zeigt der Zeitstrahl; die Bücher selbst stellt das Kapitel Werke vor.