Immanuel KantLeben · Werk · Wirkung
Dritte Frage · Religion

Was darf ich hoffen?

Die dritte Frage stellt Kant ausführlicher: „wenn ich nun tue, was ich soll, was darf ich alsdann hoffen?“

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Diese Frage ist für Kant „praktisch und theoretisch zugleich“, und er fügt hinzu: „alles Hoffen geht auf Glückseligkeit“. In seiner Logik und schon 1793 in einem Brief an Carl Friedrich Stäudlin ordnet er sie der Religion zu. Wer moralisch handelt, macht sich des Glücks würdig, aber niemand garantiert, dass er es auch erlangt. Die Verbindung von Tugend und Glück, das höchste Gut, bleibt ein Ideal der Vernunft.

Damit dieses Ziel kein leeres Versprechen ist, muss die praktische Vernunft nach Kant Gott und die Unsterblichkeit der Seele annehmen (neben der Freiheit, ohne die es kein Sollen gäbe), als Postulate, nicht als bewiesenes Wissen (Kritik der praktischen Vernunft, 1788). Hoffnung richtet sich bei ihm auch auf die Geschichte: Man darf sich einen Plan der Natur denken, an dessen Ende eine gerechte Verfassung und Frieden zwischen den Staaten stehen. Seine Religionsschrift von 1793 brachte ihm 1794 eine königliche Rüge (Kabinettsordre) ein, nach der Kant versprach, nicht mehr öffentlich über Religion zu schreiben.

Kants Aufsatz über die Aufklärung steht in dieser Einteilung unter der Frage „Was soll ich tun?“; er gehört aber auch hierher, weil Kant darin auf den langsamen Fortschritt eines ganzen Publikums setzt.

Quellen: Kant, Kritik der reinen Vernunft, AA III 523 (Orthografie modernisiert) · Logik, AA IX 25 — Kant-Korpus · Brief an Carl Friedrich Stäudlin, 4. Mai 1793, AA XI 429 · Wikipedia: Höchstes Gut (Kant) · Wikipedia: Immanuel Kant (Geschichte, Aufklärung und Religion) · Was ist Aufklärung?, AA VIII 36 („nur langsam“) · Wikipedia: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?

Welche Kapitel und Geräte hinter welcher Tür stehen, ist eine Einteilung zum Lernen, nicht Kants eigene: Viele seiner Gedanken gehören zu mehreren Fragen.